Ökumene – die größte Friedensbewegung

 „Wittenberger Ökumenischen Versammlung“ (WÖV) mit dem EKD Vors. H. Bedford-Strohm u. Bischof Dr. M. Ring

Um die „Ökumene der dritten Art“ gehe es heute, meinte Prof. Eberhard Tiefensee (Erfurt) auf der Wittenberger Ökumenischen Versammlung“ (WÖV) vor mehr als dreihundert Teilnehmenden aus ganz Europa sowie Kolumbien und Afrika. Und er verstand darunter den Dialog mit den Religionsfreien, den Konfessionslosen, den Sinnsuchenden oder den religiös Indifferenten. Nebenbei bemerkt: Im Stammland der Reformation, Sachsen-Anhalt, bezeichnen sich gerade einmal  zwölf Prozent als Christen. Nach der „Ökumene der ersten Art“, dem teilweise auch schmerzhaften Dialog zwischen Protestanten und Katholiken und dem interreligiösen Dialog (Ökumene der zweiten Art) gehe es jetzt um den schwierigen Spagat, „vom Heiligen Geist geleitet“ mit den „anderen“ Kindern Gottes die Herausforderungen unserer Zeit gemeinsam anzugehen. (Ökumene der  dritten Art). Und dieser Dialog sei keine Einbahnstraße: Auch die „Gottlosen“ haben für die Christinnen und Christen wichtige Botschaften („Fremdprophetie). Dagegen  betonte Professor Michael Welker (Heidelberg) in Zeiten „flüssiger Gottesbilder“ stärker die Probleme einer schleichenden  „Selbstsäkularisierung“, war sich aber mit seinem Kollegen Tiefensee darin einig, dass ein „nebulöser“ Gott ohne enge Verbindung mit Gerechtigkeit , Barmherzigkeit und Frieden unverständlich bleiben müsse.

Es gab viel Ermutigung in dieser letzten Augustwoche in Wittenberg, so zum Beispiel, als der Friedensethiker Fernando Enns (Amsterdam) die ökumenische Bewegung als die „größte Friedensbewegung“ bezeichnete und auf die historischen Schritte des Dialogs verwies. Es gab  viele produktive Auseinandersetzungen um die facettenreiche und wuchtige Gestalt Martin Luthers, dieses  leidenschaftlichen Gottsuchers und Mutbürgers (Friedrich Schorlemmer). Und vor allem gab es beeindruckende (Abend)Gottesdienste in allen konfessionellen Schattierungen u. a. mit der Reformationsbotschafterin Margot Käßmann, mit dem katholischen Bischof Hans-Jochen Jaschke oder dem Ratsvorsitzenden der EKD, Bischof Heinrich Bedford-Strohm. Und vor allem konnte am Sonntagmorgen (27. Aug.) ein besonderer Gottesdienst nach der Lima-Liturgie gefeiert werden, an dem Bischöfe sowie hochrangige Vertreter/-innen der verschiedenen Konfessionen teilnahmen. Zu den Zelebranten gehörte auch der altkatholische Bischof Dr. Matthias Ring.

Glücklicherweise gab es auf der WÖV auch die Ungeduld über die unterschiedlichen „Geschwindigkeiten“ in der Ökumene zwischen den Vertretern der Amtskirchen und den „Basischristen“ vor allem in der Abendmahlsfrage. Aber gelernte Ökumeniker verfügen über  hohe Frustrationstoleranz und Ausdauer.

Eines wurde aber auch klar: Ökumene–Fragen sind Insider-Fragen älterer Christinnen und Christen. Junge Menschen verstehen schon oft die Themenstellung nicht mehr. Sie sind „anders“ auf der Suche nach Gott oder nach Sinn in Zeiten der Gottesverdunstung unterwegs und ließen sich in Wittenberg probeweise lieber von dem Segensroboter „BlessU-2“ segnen oder leben einen  interkulturellen Entwurf wie in dem  beeindruckenden Projekt „Himmelsfels“.  Zum Schluss sei angemerkt, wem das bunte Volk der Ökumene diese inspirierende WÖV zu verdanken hatte: der „Internationalen Ökumenischen Gemeinschaft“ (IEF), die in dieser Woche ihren 50. Geburtstag feierte. Der Vorsitzende der deutschen Region,  der evangelische Pfarrer Dr. Hans-Georg Link (Köln), hatte mit  Ausdauer und  Engagement dieses Treffen jahrelang  vorbereitet  und führte mit Entschiedenheit und  Bravour durch diese Tage. Dabei standen ihm ein bewährtes Team  und mehrere Kooperationspartner (u. a. Ökumene 2017, ACK Sachsen Anhalt etc. ) zur Seite. So nahm fast der gesamte Vorstand von Ökumene 2017 und mehrere Mitglieder an der WÖV aktiv teil (z.B. Workshops zum Thema: Bibel und Koran vergleichend lesen).

                                                                                                                                               Bruno Hessel

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